Sagenpfad - Holzskulpturen Weg im Erzgebirge

Zum Großteil befindet sich der Sagenpfad Geyer wo Schnitz und Kettensägekunst gezeigt werden entlang des Wanderweges bzw. am Waldrand, die im Rahmen eines Schnitz- und Kettensägenevents am 23./ 24.09.2023 bearbeitet wurden. Daran wirkten unser geyerscher Schnitzverein, befreundete Schnitzvereine sowie Holzbildhauer, Schnitzer und Kettensägefreunde aus dem gesamten Erzgebirge mit. Jede entstandene Figur wird einer erzgebirgischen Sage zugeordnet, eine Infotafel beschreibt kurz den Sageninhalt. Der ausführliche Sagentext kann über einen QR-Code vor Ort abgerufen bzw. hier im weiteren Teil nachgelesen werden. Ein kurzweiliger Spaziergang auf dem Sagenpfad Geyer.

Sagenpfad Geyer – Holzskulpturen Weg im Erzgebirge

die Sage von Geyer im Erzgebirge

In der alten Sage von Geyer steht: in einem für das Erzgebirge schlimmen Jahr, in der die Pest und der Hunger, täglicher Gast in allen Hütten der Region war, hatten einige Geier, die über den Bergen kreisten, dem Hühnerhof des Bauerngutes Tannenberg einen schmerzlichen Schaden zugefügt und fast alle Hennen getötet.

Der Gutsbesitzer sattelte sein Pferd und wollte den Räubern nachstellen, aber bald schon hinderte ihn dichtes Gestrüpp am Weiterkommen. Also band er sein Roß an einen Baumstamm und versuchte zu Fuß in das Dickicht vorzudringen. Richtig, nicht lange brauchte er zu suchen, da spürte er schon den Horst der Übeltäter auf.

Mit Schwert und Axt zerstörte er den Nistplatz, und auch einen der Raubvögel konnte er erlegen. Als er zu seinem Reittier zurückkehrte, nahm er etwas Ungewöhnliches wahr: Es hatte mit seinen Hufen ungeduldig gescharrt und dabei war glitzerndes Zwittergestein zutage getreten. Der Gutsherr nahm einige von den entblößten Erzstücken auf und brachte sie zu einem Bergmeister, der in der Nähe seiner Hütte hatte.

Der kam schon bald mit einigen Bergknappen zu der bezeichneten Stelle, wo man zu graben und zu schlagen anfing. Binnen kurzer Zeit bildete sich an dem Ort eine bedeutende Ansiedlung, die man in dankbarer Erinnerung an das Vorkommnis „Geyer“ nannte.

Gründung und Namen der Stadt Geyer

Der Berggeist vom Greifenstein steht Gevatter

Einst lebte in Geyer ein armer Häuer, namens Hans Geißler, der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und viele Kinder und wußte oftmals nicht, wo einen Bissen Brot hernehmen. Am größten war aber seine Not am Silvesterabend, als die Niederkunft seines Weibes auf wenige Sunden heran war und er weder eine warme Stube noch sonst eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter für sie hatte. Er eilte hinaus, eine erfahrene  Muhme zu holen, verirrte sich aber bei dem gräßlichen Schneegestöber vom Wege und kam, durch tiefe Wehen sich mühsam durcharbeitend, zuletzt an die Felsenschichten des nahen Greifensteins.

Er erschrak und wollte umkehren, als der Berggeist ihm erschien und mit freundlichem Blick ihn also ansprach: „Eile, glücklicher Vater! Gott hat dein Weib mit drei holden Knäblein gesegnet! Wenn du nicht dawider bist, will ich dein Gevatter sein!“ 

Da verließ Hansen die Furcht, und er antwortete: „ In Gottes Namen magst du mein Gevatter sein, aber wie tue ich dir die Stunde der Taufe kund?“ Wie nun der Berggeist lächelnd sagte, daß er ohnedem zur rechten Zeit kommen werde, da verließ sich Hans darauff und eilte heim.Sein Weib hatte ihm wirklich drei holde Knäblein geboren. Am anderen Tage, als alles zur Taufe bereitet war, da ließ auch der Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er erschien in Häuserkleidung und übte das fromme Werk mit inniger Andacht, und als die heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen einen Schlägel und ein Eisen und sprach: „Lieber Gevatter, bete und arbeitet! Wo du mit diesem Gezäh einschlägst, da wirst du reiche Ausbeute finden, und dann denke allemal an deinem Gevattersmann!“ Darauf verschwand er. Seine Worte aber trafen ein; Hans ward ein reicher Mann und soll die Siebenhöfe bei Geyer gebaut haben.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Markus Baumgart – DER KETTENSÄGENSCHNITZER, Voigtsdorf

Holzskulptur der Berggeist vom Greifenstein steht Gevatter

Die Geyerschen Stadtpfeifer erblasen sich einen Schatz

Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer Ratssaale bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem der Reigen geendet, den Heimweg über die Greifensteine an. Als sie in die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in einem besonderen Lichte glänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag, zu Ehren der Greifensteine eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt, so getan. Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen; sie meinten, der letzte Regen habe sie ausgewaschen. 

Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen; sie meinten, der letzte Regen habe sie ausgewaschen. 

Ohne Säumen hoben sie die Steine auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und Kinder am nächsten Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte die Frauen reichlich. Nutzen hat die reiche Gabe des Greifensteiners den Stadtpfeifern nicht gebracht; es ist alles wieder durch die Musikantenkehle geflossen.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Holzkunst Enrico Hentschel, Elterlein OTSchwarzbach

Die Geyerschen Stadtpfeifer erblasen sich einen Schatz

Die Geyerschen Stadtpfeifen erblassen sich einen Schatz

Ein Bauer aus Geyer findet reiche Erzgänge

Früher ist an dem hinteren der Kirche zu Geyer auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen, das einem Bauern von einer halben Elle Höhe mit zwei Dreschflügeln darstellte.

Dieser Bauer hatte den hinteren Teil der Kirche auf seine Kosten erbauen lassen. Unter dem Fenster war ein Gemälde, auf dem ein Bauer in größerer Figur abgebildet war, der mit seiner langgespitzten Keilhaue einschlug. 

Zu seinen Füßen stand ein Leichenstein.
Jener Bauer suchte auf dem Weg von Geyer nach Geyersdorf Zuflucht auf einem Baum. Dort träumte ihm, unter diesem Baum seien Erzgänge. Er fand auch so reiche Erze, daß er in kurzem zum reichen Manne wurde. Aus Dankbarkeit erbaute er den hinteren Teil der Kirche.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Holzbildhauer: Jörg Bäßler, Burkhardtsdorf

Skulptur ein Bauer aus Geyer findet reiche Erzgänge

Der Geldkeller in den Greifensteinen

Unter einem großen Felsen des Greifensteins, wo der Vermutung nach ein altes Schloß gestanden hat, ist ein offenes Loch zu sehen, in das ein Mann bequem kriechen kann. Von diesem Loch aber wird erzählt, daß einst eine Magd aus dem Vorwerke Hayde, die, wenn sie daselbst grasete, öfters mit Namen gerufen wurde, im Beisein einer andern Magd auf abermaliges Rufen hineingegangen wäre, mit dem Verlaß, wenn sie schreien würde, daß ihr die andere zu Hülfe kommen sollte. Es hätte aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit Gold und Geld und einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen, und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber inzwischen der Eingang ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere Magd um Hülfe geschrien, wäre der Hund auf sie losgesprungen und hätte alles Eingefaßete wieder aus dem Grastuche gescharret, darauf sie voller Schrecken von der andern herausgezogen worden, und des dritten Tages darauf wäre sie gestorben.

Es hätte aber die hineingehende Magd einen großen Kasten mit Gold und Geld und einen schwarzen Hund dabei liegend angetroffen, und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber inzwischen der Eingang ganz enge geworden sei, daß sie auf die andere Magd um Hülfe geschrien, wäre der Hund auf sie losgesprungen und hätte alles Eingefaßete wieder aus dem Grastuche gescharret, darauf sie voller Schrecken von der andern herausgezogen worden, und des dritten Tages darauf wäre sie gestorben.

Besser (indem er wenigstens nicht mit dem Leben büßen musste) erging es einst einem alten Manne aus Geyer, einem gewissen Christoph Hackebeil, der von seinem Heimatsorte nach der am Fuße des Greifensteins liegenden Gifthütte ging, durch sonderbaren Zufall auf den Greifenstein geriet, dort in dem obengedachten Loche entschlief und die ganze Nacht und den halben folgenden Tag daselbst zubringen musste. Es ließ ihn schlechterdings nicht fort, und für die Angst und Versäumnis seiner Zeit hat derselbe nicht einmal einen klingenden Lohn von den Berggeistern erhalten.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Schnitzer: Heiko Wuttke, Ehrenfriedersdorf

der Geldkeller in den Greifensteinen

Der Zwergenkönig vom Scheibenberg

Das Städtchen Scheibenberg im Obererzgebirge hat seinen Namen von dem an seiner nordwestlichen Seite befindlichen tafelförmigen Basaltberge gleichen Namens. Derselbe ist von den Zwergen bewohnt und beherbergt reiche Schätze. So trug es sich zu, daß im Jahre 1605 Lorenz Schwabe, Pfarrer in Scheibenberg, mehrere Gäste aus Annaberg bei sich hatte und seine Frau etliche darunter befindliche Freundinnen über und um Scheibenberg führte, um ihnen die Gegend zu zeigen. Sie trafen ein Loch darin an, in welches drei Stufen führten, und in diesem lag ein glänzender Klumpen wie glühendes Gold. Darüber erschraken sie und eilten zum Pfarrhaus zurück. Der Pfarrer samt den übrigen Gästen ließ sich nun zu dem Loche führen, die Frauen konnten es aber nicht wiederfinden.

Allerdings liegt auch an der Morgenseite eine Art Höhle, das Zwergenloch genannt. Darin wohnten einst viele Zwerge, deren König Oronomassan (nach anderen Zembokral) hieß. Sie waren nicht über zwei Schub lang und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es schien ihr größtes Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie taten auch manchmal viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und armen Leuten.

Einst im Winter ging ein armes Mädchen aus Schlettau in den am Fuße des Scheibenberges gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihr ein kleines Männchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupte, das war Oronomassan. Er grüßte das Mädchen und rief gar kläglich: „Ach, du liebe Maid, nimm mich mit in deinen Tragkorb! Ich bin so müde, und es schneit und ist so kalt, und ich weiß mir keine Herberge! Drum nimm mich mit zu dir in dein Haus!“ Das Mädchen kannte den Zwergenkönig zwar nicht, aber da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb und deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korbe war zentnerschwer, und sie musste alle Kräfte zusammennehmen, daß sie die Last nicht erdrückte. Als sie zu Hause angekommen war, setzt sie den Tragkorb keuchend ab und wollte nach dem Männchen darin sehen. Sie zog ihre Schürze herunter – und wer vermag ihr Staunen zu schildern? Das Männchen war fort, und statt seiner lag in dem Tragkorbe ein großer Klumpen gediegenen Silbers.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Planitzer Schnitzverein 1908 e. V.

die Ritter in den Greifensteinen

Ein Wanderer, namens Jahn, irrte bei Nacht einst in der Gegend der Greifensteine im Wald umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. Nicht ohne Grauen folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend kristallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern mit langen Bärten saßen an einer langen Tafel und speisten. Der Zwerg lud den erstaunten Jahn ein, sich zu setzen und am Mahle teilzunehmen. Der Hunger besiegte die Schüchternheit – Jahn setzte sich und aß und trank von dem, was ihm der Zwerg bot. Noch nie hatte er so köstlich getafelt; er ward erquickt und allmählich getrosten und frohen Mutes.

Die zwölf Männer schienen sich über ihn zu freuen und geboten der Zwerge, sein Ränzel zu füllen. Mit herzlichen Worten schied Jahn von seinem gastfreien Wirten. Der Zwerg führte ihn hinaus aus der Höhle, die, wie Jahn jetzt bemerkte, in einem der Greifensteine lag, und geleitet ihn auf die Straße, welche nach Böhmen führte und auf welcher Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann verschwand jener. Als Jahn sein Ränzel umpackte, um zu sehen, womit ihn die freigiebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine ziemliche Anzahl von Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freude gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen Leuten ohne Mietzins überließ, und tat auch sonst allerlei Gutes an Kranken und Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt.

Anmerkung: Jahnsbach wurde als Waldhufendorf gegründet. 1497 lautete die Schreibweise Jahnspach, 1555 Johispach, 1551 wohnten 22 Bauern und 25 Inwohner, d. h. hauslose Bürger, Knechte und Mägde im Ort.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Schnitz- und Klöppelverein Thum e.V. und Stefan Gräßler

Sage von den Rittern in den Greifensteinen

Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau

An der östlichen Außenseite der Kirche zu Schlettau befindet sich etwa acht Ellen über der Erde ein Stein in der Mauer, der, angeblich ohne Menschenhänden bearbeitet zu sein, einem Mönchsgesicht täuschend ähnlich sieht. Das Volk erzählt sich von demselben folgende wunderbare Geschichte, die sich um das Jahr 1520 ereignet hat. Damals hatte Johannes Küttner (oder Kottner), ein Bruder des Grünhainer Abtes Georg Küttner, als letzter katholischer Geistlicher die Pfarrstelle zu Schlettau inne. Da begab es sich, daß einst in stiller Mitternacht, als Küttner noch eifrig die Kirchenväter studierte, ein bleicher Schatten auftauchte. Es war der Geist eines seiner Vorgänger. Der sprach zu ihm: „Es ist nunmehr hundert Jahre her, als die Hussiten in der Nähe waren, daß ich ein silbernes Kruzifix um Mitternacht in die Kirchenmauer eingemauert habe. Am nächsten Morgen wurde ich von den wilden Ketzern erschlagen. 

Jetzt bin ich gekommen, um dich aufzufordern, das heilige Kreuz wieder an seinen früheren Ort auf den Altar zu stellen. Du wirst den Fleck, wo es vermauert ist, leicht erkennen, denn es wird sich deinem Auge ein Lichtschein zeigen, und da, wo derselbe erglänzt, schlage ein, und du wirst es sogleich entdecken!“ Nach dieser Rede verschwand der Geist. Der fromme Pfarrer aber eilte in die Kapelle, wo der Sakristan ihn zur Messe bereits erwartet. Diesem teilte er das Erlebte mit und hieß ihm, am folgenden Mittag mit Hammer und Spitzhaue zur Hand zu sein, um das Kruzifix aus seinem Verstecke herauszunehmen. Kaum war aber der Pfarrer wieder weggegangen, so versuchte der Böse das Herz des Sakristan, welches dem Geize an sich schon zugewandt war. Er beschloß, auf der Stelle den Versuch zu machen, das Kruzifix zu entdecken, den Raub auf die Seite zu schaffen und dann den Fleck möglichst gut wieder auszubessern, damit man von dem Diebstahl nichts gewahren möge. Nach kurzem Suchen fand er auch den Lichtschein, und als er an der Stelle, die hohl klang, einschlug, blinkte ihm auch das Silber entgegen. Allein er hatte bei dem Schlage das eherne Bildnis des Heilands mit zerschlagen.

Da fuhr auf einmal ein Donnerschlag vom Himmel herab, und die Kirchenglocken fingen von selbst an, Sturm zu läuten. Der Pfarrer fuhr aus dem Schlummer, er eilte aus dem Haus und fand schon eine Menge Volk um die Kirche versammelt, weil man glaubte, dieselbe stehe in Flammen. Als die Tür geöffnet wurde, fand man zwar dieselbe hell, aber nirgends sah man Feuer; wohl aber lag der Tempelräuber zerschmettert neben dem herabgestürzten Kruzifix am Boden, doch war sein Kopf vom Rumpfe wie abgehauen, und als man nach demselben suchte, fand man in an derselben Stelle in der Mauer, wo das Kruzifix eingemauert gewesen war. Der tiefbetrübte Pfarrer ließ nun das zerschlagende Bild des Heilands aus seinen Trümmern zusammensuchen und den Körper des Verbrechers aus der Kirche fortschaffen. Auch befahl er, den Kopf desselben nach Morgen zu in der Mauer zum ewigen Gedächtnis einzumauern. Als aber der Tag anbrach, da sah man das bleiche Gesicht des Sakristans, von selbst zu stein geworden, aus der Mauer herausblicken, und dort steht es noch, denn es läßt sich weder übertünchen noch vermauern, ja man hat beobachtet, daß es oft bittere Tränen vergießt und allemal, wenn dem Städtchen Gefahren drohen, in gelben Lichte leuchtet.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Michael Fröhlich, www.schnitzmichel.de

Anno 1520 das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau

Die Busch- oder Holzweibel im Erzgebirge

In den Wäldern des Erzgebirges sind die Buschweibel heimisch. Mancherorts werden sie auch Holzweibel oder Buschmütter genannt. Es sind gute Geister, die wilde Kräuter sammeln und den Menschen helfen. Haben sich Kinder im  Walde verlaufen, so bringen sie die Verirrten zum Waldrand, damit sie den Weg nach Hause finden. Kommen sie in die Dörfer, dann behüten sie die kleinen Kinder, verschließen offen gelassene Türen und binden das Vieh an, wenn es sich losgerissen hat.

Der wilde Jäger ist der Feind der Buschweibel. Wenn er auf seinem Roß durch die Luft jagt, gefolgt von seinen wilden Weidgenossen, hetzt er die Buschweibel und bringt sie um, wo er nur kann, und dann bleibt für lange Zeit schlechtes Wetter. Um den wilden Jäger zu vertreiben, zünden sie an verschiedenen Stellen im Walde Feuer an. Den aufsteigenden Rauch kann der wilde Jäger gar nicht vertragen. Er muss husten, glaubt zu ersticken und sucht schleunigst das Weite. Dann lassen Regen, Sturm und Hagel nach, und die Buschweibel tauchen selbst triumphierend über den Wäldern auf. Wenn der Waldnebel aufsteigt, sagt man daher: „Die Buschweibel ziehen auf!“ Auch vor dem Teufel müssen sie sich in Acht nehmen. Sitzen sie aber auf einem Baumstamm, in den ein Kreuz geschlagen ist, hat der Böse keine Macht über sie. Daher sind sie den Holzfällern besonders gewogen, da diese dem Brauch gemäß in den fallenden Baum ein Kreuz mit der Axt schlagen. Einmal kam ein Holzweibel angerannt, hinter dem der Teufel her war, und rief schon von weitem: „Holzhauer, hacke drei Kreuze auf den Stock!“ Das tat der auch geschwind. Das Weibel setzte sich darauf, und der Teufel musste mit leeren Krallen abziehen.
Die Buschweibel waren auch zu manchen Schabernack aufgelegt. So wird berichtet, daß einem Mann aus Lauterbach ein Buschweibel erschien, daß seinen Kopf in den Händen trug. Darob erschrak der Mann nicht wenig, denn er glaubt, der wilde Jäger habe dem guten Geist den Kopf abgeschlagen. Doch dann setzte sich das Buschweibel den Kopf wieder ordentlich auf den Rumpf. Da merkte er, daß der Waldgeist nur einen Schabernack mit ihm trieb. Unbesorgt konnte er sich nun über das heraufziehende schöne Wetter freuen.

Leider mussten die Buschweibel das Erzgebirge verlassen. Denn seit das Brot im Backofen gezählt wird, wissen sie nicht mehr, wovon sie leben sollen. Früher wurde es nicht gezählt, da konnten sie sich das Brot überall holen. Auch auf der böhmischen Seite des Erzgebirges trifft man die Buschweibel nicht mehr. Wie man sich erzählt, ging auch dort die gute alte Zeit vorüber, was die Buschweibel selbst prophezeit hatten, denn sie sagten: „Wenn man wird die Knödel im Topf und das Brot im Ofen zählen, dann ist unsere Zeit vorbei, und wir werden nicht mehr da sein!“ Sie konnten nämlich nichts nehmen, was abgezählt war, und fanden nun nichts mehr zu essen.

Anmerkung: Über die Begegnung des Mannes aus Lauterbach mit dem Buschweibel, dort Buschmutter genannt, wie auch über die Verfolgung der „Buschmütter“ durch den wilden Jäger berichtet Martha Hunger in „Die Blume vom Schlettenberg“, Band I, S. 26.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995 

Holzbildhauer Jörg Bäßler, Burkhardtsdorf

die Busch oder Holzweibel im Erzgebirge

Die Sage vom Katzengold

oder Der wunderliche Katzentanz

Am Abend des 1. Mai 1726 kommt ein Mann mit seinem Begleiter bei düsterer Witterung an einem Walde vorbei. Als sie ein Licht wahrnehmen, hoffen sie, eine Herberge zu finden. Um zu erkunden, was in dem Hause vor sich geht, werfen sie einen Blick durch das Fenster. Da gewahren sie eine große Anzahl von Katzen, wovon etliche musizieren und die anderen danach tanzen. Fast sind sie schon entschlossen, trotz der seltsamen Gesellschaft in das Haus hineinzugehen. Da erkennt der Begleiter mit Entsetzen, dass sich unter den Katzen auch sein großer Hauskater befindet. Verstört ziehen sie weiter und gelangen zu später Stunde in der Stadt an. Als nun des anderen Tags zu Mittag sich die große Hauskatze bei der Mahlzeit in der Stube einfindet, spricht der Hausherr: „Nun, du warst wohl gestern abend auch sehr lustig?“ Da springt ihm die Katze an den Hals und zerkratzt ihm Kopf und Gesicht. Am nächsten Tag lag die Katze wieder am Ofen und schnurrte zufrieden. Aber der Hausherr rätselte warum die Katze plötzlich so böse geworden war.

Die Geschichte ließ dem Mann keine Ruhe und er wollte das Treiben der Katzen untersuchen. Also legte er sich auf die Lauer und beobachtete bald, wie sich die Katzen aus dem Ort sammelten und in das einsame Haus im Wald spazierten. Neugierig geworden, lief der Mann hinterher. Er kam bis ans Haus und sah durch die Fenster. Wieder machten die Katzen Musik und tanzten dazu, doch diesmal entdeckten die Katzen den heimlichen Beobachter. Sie stürzten aus dem Haus und umriongten ihn. Dem Mann wurde angst und bange. Mehr als 200 Katzenaugen funkelten ihn böse an. Seine Hauskatze kam auf ihn zu und fauchte: „Du darfst niemandem erzählen, was du hier gesehen hast. Ich werde dich sonst nie wieder vor gefräßigen Mäusen behüten. Außerdem verlangen wir ein Kilo Gold von dir. Das soll die Strafe dafür sein, dass du uns heimlich gefolgt bist. In einer Woche ist Vollmond, dann bringe uns das Gold um Mitternacht!“ Da er kein Gold hatte, schlug seine kluge Frau vor, einen großen Klumpen Pyrit zu holen. Dieses hatten sie zuvor in einer Höhle entdeckt und es glänzte ebenfalls goldig. Die Katzen merkten den Schwindel nicht und in Vollmondnächten graben sie es aus und feiern ihren Goldschatz. Seit dieser Zeit wird der Pyrit-Stein Katzengold genannt.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995 und 
Hrsg. Krauß, A.: Der Sagenschatz des Erzgebirges, Historische Sagen neu erzählt, ERZDRUCK GmbH 2021

Schnitzer: H. Kreft/ A. Richter,  Schnitz- und Krippenverein Geyer

tierische Kettensägekunst - die Sage vom Katzengold

Wie die Glocke zu Geyer gegossen wurde

Die große Glocke in Geyer
Auf dem Berge Geyer, an dessen Fuß das Bergstädtchen gleichen Namens liegt, hat einst eine Sau mehrere Ellen tief eine Glocke aus dem Erdreich herausgewühlt. Die Bürger freuten sich über diesen Fund und hängten die Glocke in dem viereckigen Turm an der Bergmannskapelle auf. Die Glocke gab aber erst einen vollen reinen Klang, als ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung geweiht hatte. Als 1455 wegen des Prinzenraubes ein Sturm durchs ganze Land ging, zersprang die Glocke. Allein Kurfürst Friedrich II. ließ sie umgießen und auf der einen Seite die beiden Prinzen, auf der anderen Kunz, wie er auf der Erde liegt und sein Pferd am Zügel hält, und daneben Prinz Albrecht und den Köhler, der ihn errettet, abbilden.

Anmerkung: Die Sage ordnet sich ein in den an späterer Stelle ausführlich erwähnten Prinzenraub zu Altenburg. Zum Zeitpunkt des Ereignisses hatte Geyer noch kein Stadtrecht, welches ihm erst 1467 verliehen wurde. Der Turm an der Bergmannskapelle war 1395 als Wachturm vorgesehen. Die Prinzenglocke ist 1539 ein weiteres Mal zersprungen und musste erneut umgegossen werden. 1942 fiel sie dem zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Wie die Glocke zu Geyer gegossen wurde
Da zu Geyer reichlich Erz gefördert wurde und solches preiswert zu haben war, hatten sich ein dortiger Handwerker aufs Glockengießen verlegt. Als er den Auftrag zur Verfestigung einer größeren Glocke erhalten hatte und die Masse bereits bis zum Gusse geschmolzen war, zögerte er infolge des bedeutenden Wertes des Metalls an der Vollendung seines Werkes. Obwohl die Masse gußgerecht war, begab er sich noch einmal in seine Wohnung, um sich für die ihn erwartende Arbeit zu stärken. Dem Lehrling dauerte das Ausbleiben des Meisters zu lange, und er machte sich unterdessen ans Werk. Als der Meister zurückkam, erblickte er zu seinem Erstaunen den fertigen Guß. Da wallte der Zorn in ihm auf, und er schlug den armen Knaben. Nach dieser Mordtat machte er sich ans Ausgraben des fertigen Gusses. Als er die Glocke von ihrer Hülle befreit hatte, prüfte er sie und war überrascht von ihrem wunderschönen Klang. Da jammerte ihn die gegen seinen Lehrling verübte Schreckenstat. Er grub ein Loch, bettete den Erschlagenen hinein und bedeckte ihn mit der von ihm gegossenen Glocke. Darauf scharrte er das Loch wieder zu, und niemand wußte, wo die Stelle war und was er darin vergraben hatte. Auch als er sich dem Gerichte stellte, weil ihm sein Gewissen keine Ruhe ließ, verbarg er sein Geheimnis. Der Richter sprach ihn schuldig, und wenige Tage später wurde ihm mit dem Schwerte das Haupt vom Rumpfe getrennt.
Darüber waren viele Jahre verflossen, als eines Tages eine Sau die am Geyersberge vergrabene Glocke freiwühlte. Der Hirte meldete den Fund sogleich der Bürgerschaft, welche die Glocke erfreut zutage förderte. Die leiblichen Überreste des Lehrlings wurden ebenfalls gefunden und nach dem erstmaligen Läuten der Glocke zu Grabe getragen.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995
Schnitzer: H. Kreft/ A. Richter,  Schnitz- und Krippenverein Geyer e.V

Holzskulptur - wie die Glocke zu Geyer gegossen wurde

Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf

Einst lebte in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf ein junger Bergmann namens Oswald Barthel, des alten Bergmanns Michael Barthel Sohn, der von seinem Vorgesetzten sehr geschätzt war, dass ihm der reiche Obersteiger Baumwald seine einzige Tochter Anna verlobte.
Nun sollte er im tiefen Stollen „Gutes Glück“ im Sauberge anfahren, um einen Durchschlag zu machen, welches wegen des entgegenstehenden Wassers unter die gefährlichsten Arbeiten des Bergbaues gehört. Er und diejenigen seiner Kameraden, welche die Reihe hierzu traf, traten nun, nachdem sie zuvor mit ihrem Steiger gebeichtet und das heilige Abendmahl genommen hatten, am Tage Sankt Katharinä im Jahre 1508 die Fahrt mit einem herzlichen „Glück auf!“ an.

Als sie an dem gefährlichen Punkte angekommen waren, ward die Arbeit sofort in rolliger, sehr gebrechlicher Bergart betrieben und das Einstürzen des Firstes durch Zimmerung verhütet. Die Last war groß, die auf ihr ruhte. Und als der Steiger, etwas zurückstehend, eben eine Anordnung treffen wollte, hörte er ein heftiges Krachen im First der Zimmerung und im nächsten Augenblick ein gleiches.
„Brüder, rettet Euch!“ rief er schnell, „es macht einen Bruch!“ Diesen Ruf folgten alle in großer Eile. Nur Oswald, der jüngste und rascheste von ihnen, verharrte auf eine bis jetzt unbegreiflich gebliebene Weise an der Wand und wurde verschüttet. Zwar gab man sich die unsäglichste Mühe, den armen Oswald zu retten, und immer neue Arbeiter lösten die bereits ermatteten ab, aber vergebens. Es brach immer mehr vom Berge nach und der Unglückliche ward nicht wieder gefunden.

Als nun die Braut des armen Bergmanns die Kunde vernahm, sank sie zuerst in eine tiefe Ohnmacht, aus der sie nur wieder erwachte, um in eine tödliche Krankheit zu verfallen. Zwar besiegte ihre Jugendkraft dieselbe, und sie ward dem Leben erhalten, allein, als sie nach ihrer Genesung zum ersten Male wieder die Kirche betrat, brachte sie am Altar der hochheiligen Mutter des Herrn das Gelübte, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr Leben lang nicht zu heiraten. Dann hing sie ihren Brautkranz mit eigener Hand unter den Totenkränzen in der Kirche auf und lebte in tiefster Stille, den Segen der Armen durch barmherzige Taten verdienend.
So gingen denn seit jenem Unglückstage viele Jahre dahin und zuletzt waren nur noch die jungfräuliche Braut, sowie drei Bergmänner, Balthasar Thomas Kendler, Andreas Reiter, der Ältere , beide aus Ehrenfriedersdorf, sowie Simon Löser, in Drehbach wohnhaft – von allen denen übrig, die damals das unglückliche Ereignis mit angesehen hatten.

Da fügte es sich, dass in Brünlers Fundgrube am Sauberge ein Stollen bewältigt wurde. Und als man in die siebente Lachter * im rolligen* Gebirge vorgerückt war, stieß man auf einen in der Erde eingeschlossenen menschlichen Körper, der, noch von der Verwesung unversehrt, in seinem Grubenkittel, in der ledernen Bergkappe, desgleichen mit seinem Gezäh*, seiner Unschlitt-Tasche* und den Zscherper* aufgefunden ward. Mit viel Mühe machte man ihn von seiner drängenden Umgebung frei und schaffte ihn nach dem Tagesschachte.
Diese Begebenheit wurde sogleich dem damaligen Bergmeister Valentin Feige gemeldet, welcher den Geschworenen Thomas Langer rufen und die oben genannten Greise an Bergamtsstelle bescheiden ließ. Die Männer sagte aus, dass sie sich wohl erinnerten, wie einst, vor nunmehr sechzig Jahren, ein junger Bergmann namens Oswald Barthel, in der Gegend, wo der Leichnam jetzt gefunden worden, so verfallen sei, dass ihn niemand habe retten können.
Und als man den Leichnam brachte, erkannten sie ihn als den Verschütteten. Dieses Wiederfinden geschah am 20. September 1568, so dass der Verschüttete 60 Jahre, 9 Wochen und 3 Tage in der Erde gelegen hatte, als man ihn ausgrub, worauf er am 26. des Monats mit einem feierlichem Leichenbegräbnis wieder zur Erde bestattet wurde, welche ihn schon lange verborgen hatte. Es war ein Begräbnis, wie Ehrenfriedersdorf noch keines gesehen hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen waren, um dem so wunderbar wiedergefundenen Bergmann das letzte Geleit zu geben. Als die Leiche eingesenkt werden sollte, eilte auch die treu gebliebene Braut herbei und sprach den Wunsch aus, ihrem Bräutigam bald folgen zu können. Nach wenigen Tagen wurde ihre Hoffnung erfüllt.

Schnitzer: Schnitz- und Krippenverein Ehrenfriedersdorf e. V.

Quelle: Köhler, Ernst: Sagenbuch des Erzgebirges. Schneeberg und Schwarzenberg 1886
            Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Bergbaugeschichte - die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf

Ein Gottesurteil in Geyer

Der Maurergeselle Gottlieb Meyer war ein verkommener Trunkenbold. Seine Frau mahnte ihn wiederholt, besser für seine drei Kinder zu sorgen. Das tat er auf seine Art. Eines Tages ging seine Frau nach Hormersdorf, Butter zu holen. Unter dem Vorwand, der Mutter entgegenzugehen, brachte der Maurer die ahnungslosen Kinder zum Schacht auf den Zschierlichschen Feldern. Dort stürzte er sie in die Tiefe. Der Mörder wurde zu zeitlebens Zuchthaus verurteilt. 

Darauf gestand Meyer noch einen weiteren Mord, den er gemeinsam mit seinem Mordgesellen Sigismund Porges begangen hätte. Er wurde deshalb zur Bezeichnung des Tatortes nach Geyer gebracht. Bei der Konfrontation mit Meyer beteuerte Porges seine Unschuld. Als man ihn während des 11-Uhr-Läutens am Rittergut vorbeibrachte, sprach Porges, Gott möge ein Zeichen geben und Wunder tun, daß er unschuldig sei. Da löste sich aus einer Glocke der Klöppel und stürzte vom Turm.

Damit hatte sich seine Unschuld offenbart. Besagter Meyer wurde ins Zuchthaus zurückgebracht. Er gestand, daß der angegebene Mord unwahr sei. Er habe nur noch einmal Geyer sehen wollen.

Quelle: Lauterbach, W.: Sagenbuch des Erzgebirges, Altis-Verlag, Berlin 1995

Schnitzer: Rene Müller, Beierfeld

Kettensägekunst - ein Gottesurteil in Geyer

Die Prophezeiung von reichen Erzen

Im Jahre 1471 prophezeite ein Mönch im Kloster Grünhain namens Peter Rosenkranz dem Abt viele Sachen, darunter auch, wie ein Bergwerk am Bärenstein aufkommen werde. Dasselbe würde einen langen Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge ein ganzer Stock Erz hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser zu, ein Gang eines Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag und halb Abend. Er führe solch großes Erz, daß es nicht auszusagen sei. Wenn die Zeit da sei, daß es aufkommen solle, würde eine Zeche an der anderen stehen, bis über die Waschleithe hinauf. Wer nur einen Kux davon hätte, würde für sich, seine Kinder und Kindeskinder Nahrung haben.
Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem Pöhlberg und dem Bärenstein, das einen guten Bestand habe und viel Ausbeute gäbe. Eine schöne Stadt würde dahin gebaut werden. Aber dieses Bergwerk wäre nur eine Ader vom Bärenstein.
Es läge auch viel Eisenstein auf den Raschauer Gütern, aus dem ein gar gutes Eisen gemacht werden könne. Dieser würde bald gefunden werden. Dagegen wäre die Zeit noch nicht gekommen, daß der Bärenstein aufkommen werde. Erst würde durch einen Aufruhr das Kloster ganz zerstört werden, so daß das Erdbeerkraut auf den Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswüchsen. 
Dasselbe prophezeiten später drei fahrende Schüler, die den Abt von Grünhain, Johann Gottfried Küttner, um Herberge und Beförderung angesprochen hatten. Auf ihre Rede hin hat der Abt eine Hirsch- und Bärenjagd am Bärenstein veranlaßt und die drei fahrenden Schüler mit hingeschickt. Als man sie an Ort und Stelle fragte, zu welcher Zeit das Bergwerk aufkommen solle, sind sie ein wenig beiseite getreten und haben miteinander geredet. Dann sagten sie, daß ungefähr 50 Jahre nach dem Bauernkriege das Kloster so wüst sei, daß das Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen und die Bergstädte teils zugrunde gehen würden. Alsdann würde der Bärensteinangehen und angenommen. Allein man müsste mit dem Stolln die Gänge überfahren.

Ein Köhler findet Erze am Bärenstein

Als Herr Johann Gottfried (Göpfert) Abt des Klosters Grünhain war, hat ihm ein Köhler zu Schwarzbach, der alte Burkhart genannt, ins Kloster ein Geschiebe von der Größe eines Badehütleins gebracht. Dasselbe hatte er beim Abräumen des Meilers etwa einen halben Armbrustschuß vom Bärenstein herab gegen Cranzahl gefunden. Der Abt ließ es in Schneeberg probieren. Dabei wurde der Zentner für 135 Mark Silber gehaltren. Daraufhin ist der Bärenstein als hoffnungsvolles Silbergebirge mit Macht angegangen worden.

Der Silberstock im Kühberg bei Bärenstein

Der Kühberg soll nach einer alten Prophezeiung auf einem Silberstock stehen, gleich einer Ente, die auf dem Wasser schwimmt. Daraufhin sind schon viele kostbare Röschen und Stolln in den Berg getrieben worden, um die zwei mächtigen Hauptgänge zu erschroten und die Schätze zu heben. Diese sollen so mächtig sein, daß sie der reichen Ausbeut auf St. Georg zu Schneeberg gleichgestellt werden.

Quelle: Hrsg D. Werner: Bergmannssagen aus dem sächsischen Erzgebirge, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1985

Zu selbiger Zeit ist auch die Richterin zu Cunnersdorf mit zwei anderen Frauen auf den Bährenstein gegangen und hat da grasen und, weil es Mai war, Kräuter sammeln lassen, und wie sie haben grasen wollen, sind sie von einander abgekommen, da hat sich’s unter dem Steine herab aufgethan als wie ein großes Kirchenthor und dabei gewittert, und als sie hineingesehen, ist’s ihr wie lauter Gold und Silber vorgekommen, wie sie aber nach den andern gelaufen und sie gerufen, daß sie es auch sollten sehen, derweilen ist es verschwunden.

Quelle: Grässe: Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1, S. 410-412, Verlag Schönfeld, 1874.

Schnitzer: H. Müller/  J. Hirsch/ H. Bachmann, Schnitz- und Krippenverein Geyer e.V.

die Prophezeiung von reichen Erzen

Der todbringende Segelflug vom Annaberger Kirchturm

Neben der Sankt–Annen-Kirche in Annaberg liegt die Große Kirchgasse. Im unteren Teil der großen Kirchgasse kannst du im Straßenpflaster einen roten Stein entdecken. Von diesem Stein erzählt man sich folgende Geschichte:

Eines Tages stand ein Junge aus dem Kinderchor auf dem hohen Kirchturm. Plötzlich erfasste den Jungen ein heftiger Windstoß. Er stürzte vom Kirchturm hinunter in die Tiefe. Zum Glück aber trug er seinen Chormantel. Der blähte sich im Wind wie ein Ballon auf. Der Junge schwebte, wie an einem Fallschirm hängend, wohlbehalten zur Erde hinab.

Das sah ein Dachdecker. Er war ein leichtsinniger Mann, der gern jeden Unsinn mitmachte. Er dachte bei sich: „Ich will auch mal fliegen! Das sieht sehr lustig aus und macht bestimmt viel Spaß.“ Flugs stieg er auf den hohen Kirchturm. Er legte sich seinen Mantel um und sprang. Aber, o Schreck, der Mantel verfing sich in Armen und Beinen! Kopfüber stürzte der leichtsinnige Dachdecker auf die Straße und war sofort tot. Dort, wo der Mann in seinem Blut gefunden wurde, setzte man einen roten Stein ins Straßenpflaster. Bis heute erinnert der Stein an diese Begebenheit.

Quelle: Hrsg. Krauß, A.: Der Sagenschatz des Erzgebirges, Historische Sagen neu erzählt, ERZDRUCK GmbH 2021

Schnitzer: Schnitzer Hartmut Kreft/ Andreas Richter,  Schnitz- und Krippenverein Geyer e.V.

die Geschichte vom todbringenden Segelflug vom Annaberger Kirchturm