Nur rund fünf Autominuten von unserer Ferienwohnung in Geyer entfernt liegt Ehrenfriedersdorf, auf der anderen Seite der Greifensteine. Wer bei uns Urlaub macht, landet früher oder später hier – wegen der Zinngrube, wegen des Altars in der St. Niklaskirche, oder einfach, weil der Wanderweg zu den Greifensteinen mitten durch die alte Bergstadt führt. Ehrenfriedersdorf liegt im oberen Tal der Wilisch auf rund 600 Metern Höhe, im Westen die Greifensteine, im Osten der Sauberg.
Besiedelt wurde die Gegend im 12. Jahrhundert, wie das gesamte mittlere Erzgebirge. Im 13. Jahrhundert kamen die ersten Zinnfunde dazu, und von da an ging es steil bergauf: 1339 wird die Siedlung erstmals urkundlich erwähnt, damals noch als „Erinfritstorf“. Mitte des 15. Jahrhunderts besaß der Ort volle Stadtrechte und war – nach Freiberg – die bedeutendste Bergstadt im sächsischen Erzgebirge. Zu Spitzenzeiten wurden hier jährlich rund 3.000 Zentner Zinn gefördert. Von diesem Reichtum erzählt bis heute die Altstadt rund um den Markt mit dem Rathaus, das auch unser Titelbild zeigt.
Was den Wohlstand der Bergstadt am eindrucksvollsten zeigt, steht in der St. Niklaskirche: ein spätgotischer Schnitzaltar, 1507 aufgestellt und bis 1512 vollendet. Für den Auftrag konnte sich die Kirche damals einen der bedeutendsten Bildhauer der Spätgotik leisten, Meister H.W. – in der Literatur meist mit Hans Witten gleichgesetzt, dem auch die berühmte Tulpenkanzel im Freiberger Dom zugeschrieben wird. 400 Gulden kostete der Altar, komplett aus Lindenholz geschnitzt, mit zwei Wandlungen und damit gleich drei Ansichten: Fest-, Sonntags- und Werktagsseite. Er gilt als einer der bedeutendsten Flügelaltäre Sachsens.
Wo das Zinn tatsächlich herkam, lässt sich auf dem Sauberg besichtigen. Die Zinngrube Ehrenfriedersdorf ist ein Besucherbergwerk mit mineralogischem Museum, und die Führung beginnt gleich spektakulär: mit einer Seilfahrt bis in 100 Meter Tiefe. Danach geht es zu Fuß durch Stollen und Abbaue, die weitgehend im Originalzustand erhalten sind – kein Nachbau, sondern echter Bergbau aus mehreren Jahrhunderten, zuletzt bis zur Stilllegung 1990. Die Bergbaulandschaft Ehrenfriedersdorf gehört seit 2019 zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, einer von 17 sächsischen Bestandteilen dieses Welterbes. Alle Details zu Führungen und Öffnungszeiten haben wir auf unserer Seite zur Zinngrube zusammengestellt.
Auf Ehrenfriedersdorfer Flur liegen auch die Greifensteine, mit 731 Metern der höchste Punkt der Stadt und eines unserer liebsten Ausflugsziele überhaupt – Naturbühne, Kletterfelsen und ein Aussichtsfelsen mit Blick bis zum Fichtelberg. Wer es ruhiger mag, findet auf der anderen Seite der Stadt die Franzenshöhe, im Volksmund „Kalter Muff“ genannt: eine bewaldete Erhebung von 703 Metern mit Gasthaus und weitem Rundblick. Und wer zwischen Ehrenfriedersdorf und den Greifensteinen wandert, läuft streckenweise am Röhrgraben entlang – einem der ältesten Kunstgräben des erzgebirgischen Bergbaus aus dem 14. Jahrhundert, der einst Wasser für Pochwerke und Zinnhütten lieferte.
Heute leben knapp 4.400 Menschen in Ehrenfriedersdorf, und von der alten Bergbautradition ist noch einiges übrig. Der Bergmännische Musikverein pflegt seit 1982 die Berg- und Blasmusik, und das Mundarttheater am Greifenstein führt bis heute die Mettenschicht auf, ein traditionelles Bergmannsfest, das früher von der Bergbruderschaft im alten Zinnerzbergwerk Sauberg gefeiert wurde. Im Erzgebirgs Musik Archiv bewahrt man zudem eine private Sammlung von rund 3.000 erzgebirgischen Liedern.
Für uns ist Ehrenfriedersdorf einer dieser Orte, an denen auf kleinem Raum viel Geschichte steckt – Kirche, Bergwerk und Natur liegen fast in Laufweite zueinander. Ein Tag reicht dafür kaum. Wer länger bleiben möchte, hat in unserer Ferienwohnung in Geyer noch Platz, nur wenige Fahrminuten entfernt.