Das Thumer Schmalspurnetz – die alte Dampflok auf dem Güterbahnhof in Geyer

Wenn unsere Gäste durch Geyer schlendern, bleiben viele am ehemaligen Güterbahnhof stehen und fragen uns, was es mit der alten Lok dort auf sich hat. Die Antwort führt zurück ins 19. Jahrhundert, zu einem der ehrgeizigsten Schmalspurprojekte im sächsischen Erzgebirge: dem Thumer Schmalspurnetz.

Ein Bahnnetz mit vier Strecken

Das Thumer Schmalspurnetz bestand aus vier Streckenästen, die sich alle in Thum trafen und den Ort für einige Jahrzehnte zum einzigen Schmalspurknotenpunkt im gesamten Erzgebirge machten. Eine dieser Strecken verlief zwischen Schönfeld-Wiesa und Thum – und führte mitten durch Geyer. Wer heute zu Fuß oder mit dem Rad Richtung Ehrenfriedersdorf unterwegs ist, kreuzt an mehreren Stellen die alte Trasse, ohne es auf den ersten Blick zu merken.

Wie die Verbindung nach Geyer entstand

Am 20. Mai 1898 genehmigte eine Verordnung den Bau der Strecke von Geyer nach Thum über Ehrenfriedersdorf. Gebaut wurde ab August 1904, kein kleines Unterfangen in dem hügeligen Gelände zwischen den Ortschaften. In Thum entstand eine 340 Meter lange Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Bahnhof, um Anschluss an die Wilischthalbahn zu bekommen. Der ältere Streckenabschnitt zwischen Oberherold und Ehrenfriedersdorf wurde dafür stillgelegt und später abgebaut.

Sechs Jahre später, im April 1910, begann der Weiterbau von Thum nach Meinersdorf, bereits genehmigt mit Verordnung vom 14. Juni 1900. Als diese letzte Teilstrecke am 1. Oktober 1911 in Betrieb ging, erreichte das Thumer Netz mit 43,32 Kilometern seine größte Ausdehnung.

Die Strecke, die uns hier in Geyer am meisten interessiert, war die Verbindung Schönfeld–Thum: 750 Millimeter Spurweite, 17,23 Kilometer lang. Der Abschnitt zwischen Schönfeld und Geyer war vom 1. Dezember 1888 bis zum 15. August 1967 in Betrieb, die Weiterführung nach Thum kam am 1. Mai 1906 hinzu und wurde am selben Tag im August 1967 stillgelegt wie der Rest der Strecke.

Der Greifenbachtalviadukt – das Wahrzeichen der Strecke

Zwischen Ehrenfriedersdorf und Geyer überwand die Bahn das Greifenbachtal auf einem beeindruckenden Viadukt: 180 Meter lang und 35 Meter hoch, für seine Zeit eine der größten Schmalspurbrücken Deutschlands. Das Bauwerk selbst ist heute abgebaut, doch wer im Greifenbachtal wandert, findet noch die alten Fundamente. Mehr zur Geschichte und zur Lüftelmalerei der Brücke erzählen wir auf unserer Seite zum Greifenbachtalviadukt.

Was vom Güterbahnhof übrig blieb

Aufmerksame Besucher entdecken in Geyer hier und da noch einzelne Spuren der alten Bahnlinie – einen Bahndamm im Wald, eine Böschung, die zu gerade wirkt, um Zufall zu sein. Am greifbarsten aber bleibt der ehemalige Güterbahnhof: Dort steht bis heute eine Schmalspurlok als Denkmal, mit einer Infotafel, die die Geschichte der Strecke erzählt. Für uns ist das einer der Orte, an denen Erzgebirgsgeschichte zum Anfassen wird – kein Museum mit Eintritt, einfach ein Stück Vergangenheit mitten im Ort.

Unser Tipp für Ihren Besuch

Der Güterbahnhof liegt nur wenige Gehminuten vom Ortszentrum entfernt und lässt sich gut mit einem Spaziergang zur Binge von Geyer oder einem Abstecher zu den Greifensteinen verbinden. Wer sich grundsätzlich für Schmalspurbahnen im Erzgebirge begeistert, dem legen wir unsere Übersicht zu den Schmalspurbahnen im Erzgebirge ans Herz, die dort noch heute in Betrieb sind, etwa die Fichtelbergbahn durch Cranzahl.

Bei uns in der Ferienwohnung Haus Feig sind Sie mitten in dieser Geschichte zu Gast. Fragen Sie uns gern nach Wanderwegen entlang der alten Trasse, wir zeigen Ihnen, wo sich ein Blick lohnt.

Mehr Informationen über das Thumer Schmalspurnetz und andere ehemalige Streckennetze findet man auf der Seite www.stillgelegt.de und unter www.thumer-schmalspurnetz.de